Zaun gegen Flüchtlinge?

Ein Stahlunternehmen aus Schwerte setzt gegen seine Nachbarn ein deutliches Zeichen: Weil die Bewohner des Wohnheims nebenan das Gelände der Firma betreten haben, in dem u.a. Flüchtlinge wohnen, hat es einen Stacheldrahtzaun wie aus einem Kriegsgebiet aufgestellt.

Zaun gegen Flüchtlinge? (Foto: SAT.1 NRW)

 Bild: SAT.1 NRW,

Stacheln so scharf wie Rasierklingen: Dieser Zaun soll Ahmad und seine Freunde davon abhalten auf das Gelände der Firma Hesse zu gehen, das allerdings genau an den Hinterhof ihrer Flüchtlingsunterkunft grenzt. Die jungen Asylbewerber haben hier im Sommer oft gesessen, ihre Familien angerufen oder Spiele gespielt, erzählen sie uns. Dass sie jetzt mit so einem Zaun ferngehalten werden kann Ahmad nicht verstehen.

Das Problem: Das Gelände der Firma beginnt nicht an einem Holzzaun, der das ursprüngliche Firmengelände vom Hof trennt, sondern bereits da, wo jetzt der Nato-Drahtzaun errichtet wurde. Für die Flüchtlinge daher schwer zu verstehen, warum sie das Gelände nicht betreten dürfen. Dagmar Greve wohnt schon seit 20 Jahren in dem Haus, in dem jetzt auch Ahmed und rund 20 weitere Flüchtlinge leben. Auch sie versteht die Welt nicht mehr: „Das ist ne Sache, die nicht geht. Ich weiß auch nicht, was er sich dabei gedacht hat. Das ist ja auch sehr gefährlich. Ich wusste ehrlich gesagt gar nicht so richtig was ich sagen sollte, als ich das gesehen hab“.

Um die Flüchtlinge von seinem Grundstück fern zu halten baut der Firmenchef sogar seine eigene Garage mit dem gefährlichen Nato-Draht. Wir treffen den Geschäftsführer der Firma, als er die Firma verlässt – er habe uns nichts zu sagen, war seine Aussage. Auch die Stadt Schwerte hat Probleme mit dem Firmenchef zu reden. Den Zaun hat er ohne das Wissen der Stadt, die Eigentümer des Flüchtlingshauses ist, erbaut: „Der Geschäftsführer hat sich da wenig kooperativ erwiesen. Er war stolz auf sein Werk, er hat mir mitgeteilt, er werde diese Anlage auch erweitern. Er sei also noch nicht fertig und es soll auch gefährlich sein. Das war so seine Kernaussage und er ist auch nicht bereit das Ganze freiwillig wegzuschaffen“.

Deshalb will die Stadt jetzt nachhelfen und prüft den Zaun derzeit baulich. Und die Chancen seien wohl ganz gut, da der Zaun eine Gefahr darstellt. Um die Bewohner schon jetzt vor dem Stacheldraht zu schützen, hat die Stadt einen Bauzaun mit Sichtschutz errichtet. Dafür hätte der Firmenboss sich auch entscheiden können.

Dieser Beitrag ist in der Sendung vom 20.10.2016 erschienen. Das zugehörige Video ist am Tag der Sendung ab ca. 19:00 verfügbar.

Zuletzt aktualisiert am . | Beitrag erstellt von  | Bild-Quellen: SAT.1 NRW,

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