Obdachloser bekommt neues Heim

Gefühlt leben immer mehr Menschen auf der Straße. Hier in Dortmund spiegeln jetzt auch die Zahlen deutlich dieses Problem wieder – es gibt 43 Prozent mehr Obdachlose als noch vor 6 Jahren. Wirklich erschreckend. Uns hat auf Facebook eine Zuschauernachricht erreicht, mit einer wirklich einzigartigen Geschichte. In Bad Sassendorf hat eine Familie einen Obdachlosen zu sich nach Hause geholt.

Obdachloser bekommt neues Heim (Foto: SAT.1 NRW)

 Bild: SAT.1 NRW,

Ralf Gruhn ist obdachlos. In Soest lebte der 62. jährige die letzen Jahre. Meist zusammengekauert vor seinem Rollstuhl. Bei Wind und Wetter auf der Straße. Doch am 7. Januar passiert ein kleines Wunder. Nicola und ihr Sohn Dominik Salah treffen auf Ralf und holen ihn kurzer Hand von der Straße zu sich nach Hause. Im Erdgeschoss ihres Mietshauses haben die beiden eine leerstehende Wohnung, sie ist renovierungsbedürftig aber es ist trocken und vor allem warm.

Als wir auf die Familie treffen ist Ralf schon eine Woche bei den Salahs. Sie bereuen ihren Schritt nicht, im Gegenteil, Dominik ist überzeugt, Menschen wie Ralf muss man doch helfen: Nicola und Dominik sind selber schwer krank. Ein seltener Gendefekt beherrscht ihren Tagesablauf. Aber trotzdem unterstützen sie Ralf, der nur ein paar Meter aus eigener Kraft laufen kann und integrieren ihn voll und ganz in ihren Familien-Alltag. Vom gemeinsamen Fernsehen, bis hin zu Kaffe und Kuchen. Doch bevor Ralf Familienmitglied werden konnte, musste erst eine Sache erledigt werden: Duschen und Haare schneiden. Jetzt, nach einer Woche, stylt sich Ralf sogar schon vor dem Spiegel. Auf der Straße gehen die meisten Leute an ihm vorbei, würdigen ihn keines Blickes, er sei für viele nur Abschaum, erzählt er uns.

Ralf will jetzt sein Leben ändern, es nochmal anpacken. Seine Freundin verstarb bei einem Verkehrsunfall, das haute den Ur-Berliner völlig aus der Bahn. Er lies sich treiben, Magdeburg, Hamburg, seit 10 Jahren ist er nun in NRW unterwegs. Nicola und Dominik sind jetzt irgendwie seine Familie. Wir sind heute dabei, als aus dem Obdachlosen ein normaler, angemeldeter Bürger“ wird. Erst gibt es im Rathaus einen neuen Personalausweis, dann wird die Krankenversicherung beantragt. Und in der Wohnung lebt er jetzt nicht einfach so, sondern mit echtem Mietvertrag.

Zum Spießbürger ist es dann aber doch noch ein weiter Weg. Den Briefkasten will er aber vorsorglich doch schon mal mit seinem Namen beschriften – denn sowas hatte er seit 15 Jahren nicht mehr.

Dieser Beitrag ist in der Sendung vom 17.01.2017 erschienen. Das zugehörige Video ist am Tag der Sendung ab ca. 19:00 verfügbar.

Zuletzt aktualisiert am . | Beitrag erstellt von  | Bild-Quellen: SAT.1 NRW,

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