Katze von Kindern als Fussball benutzt: Jetzt spricht ein Psychologe

In Soest haben Kinder eine Katze als lebenden Fußball benutzt und das Tier dabei schwer verletzt. Doch was bringt Kinder zu solch einer Handlung und führt diese Tat zu weiteren Gewalttaten? Psychologe Manfred Tetzlaff hat Antworten.

Katze von Kindern als Fussball benutzt: Jetzt spricht ein Psychologe (Foto: Katze Lucky wurde als Fußball benutzt.)

 Bild: Katze Lucky wurde als Fußball benutzt.,

SAT.1 NRW: Was bringt Kinder dazu so mit einem Lebewesen umzugehen?

Manfred Tetzlaff: „Grundsätzlich ist das eine Art Machtausübung. Vor allem in dem Fall, wenn solch eine Handlung in einer Gruppe ausgeführt wird, hat es viel mit der Erlangung von Macht zu tun. Oft ist es auch so, dass das Kind oder der Jugendliche selbst mal in der Position des Opfers war und durch solch eine Quälerei versucht dies aufzuaddieren. Denn während solch einer Handlung bekommen sie das Gefühl mächtiger zu sein als das Tier. Dabei geht es auch sehr um Erniedrigung. Je mehr das Tier leidet, desto größer kann der Lustgewinn sein.

Die Gruppensituation, in denen sich Kinder gemeinsam mit Gleichaltrigen befinden, ist dabei noch ein wichtiger Punkt. Denn dabei spielt das Selbstwertgefühl eine große Rolle. Selbst wenn Kinder während der Handlung gegen ihr eigenes Gewissen handeln, machen sie trotzdem weiter um die Anerkennung der Gruppe nicht zu verlieren. Ein Grund dafür kann sein, dass die Kinder kein ausreichendes Selbstwertgefühl haben und abhängig von der Anerkennung der Gruppe sind.“

SAT.1 NRW: Kann solch eine Handlung an einer falschen Erziehung liegen?

Manfred Tetzlaff: „Es hat nicht nur mit der Erziehung, sondern auch mit genetischen Faktoren oder Krankheiten zutun, wenn die Kinder schwierig in der Erziehung sind. Wenn Eltern jedoch dann überfordert mit den anstehenden Aufgaben sind und dann resignieren und wegschauen, kann man ihnen sicher Schuld zuweisen. Denn verantwortliche Eltern holen sich Hilfe, wenn sie selber nicht mehr weiterwissen. Es hat auch immer damit zu tun, wie empathiefähig ein Kind ist und wie sehr es sich in andere Lebewesen hineinfühlen kann. Um diese Fähigkeit zu stärken ist es wichtig, dass die Eltern sich mit ihren Kindern beschäftigen und in sie hineinfühlen. Denn den Eltern kann man erst in dem Moment Schuld zuweisen, in dem sie auf Hilfe verzichten, weil sie sich schlicht und weg einfach nicht trauen und sich davor fürchten, dass man sie verurteilt.

Letztlich geht es darum, dass Kinder eine Empathiefähigkeit durch Bezugspersonen erlangen. So ist eine starke Bindung von Klein an wichtig. Dies bekommt das Kind durch eine Bezugsperson, die in der Lage ist, sich in das Kind hinein zu fühlen. Außerdem müssen die Eltern dem Kind Empathie vorleben, denn nur dann erkennt das Kind wie wichtig solche Werte sind und kann diese verinnerlichen.“

SAT.1 NRW: Was können Eltern denn in solch einer Situation tun?

Manfred Tetzlaff: „Eltern müssen einerseits klare Grenzen setzen und wenn sie eine solche Situation mitbekommen diese aktiv unterbrechen. Dabei ist es wichtig diese Handlung zu brandmarken. Dies sollte am besten mit den Erklärungen geschehen in denen erläutert wird warum die Handlung als schlimm angesehen ist. Das ist die eine Seite. Aber das Prügeln, was viele Eltern in solch einer Situation möglicherweise tun, ist sehr kontraproduktiv. Denn dann praktizieren sie eine Problemlösung, die sie genau nicht weitervermitteln wollen. Deshalb ist die beste Methode auf das Kind zuzugehen und mit ihm gemeinsam zu überlegen: Wie konnte das passieren? An welchen Stellen hättest du dich anders verhalten können oder auch anders verhalten müssen, damit es nicht zu so etwas kommt? Dabei sollte man alle Alternativen mit dem Kind durchsprechen, immer mit dem Bezug auf „Wie geht es dir dabei? Was brauchst du denn wirklich? Was war der Auslöser für diese Handlung?“ Der Grund dafür, dass sich die Kinder von ihren Eltern entfernen ist, dass die Eltern eben oft nicht mehr an dem Leben der Kinder teilnehmen, weil sie beispielweise beide berufstätig sind. Deshalb sollten Eltern sich immer genug Zeit dafür nehmen sich danach zu erkundigen, wie es dem Kind auch gefühlsmäßig geht.“

SAT.1 NRW: Jetzt war es eine Katze, aber kann das Gewaltpotenzial der Kinder noch weiter gehen?

Manfred Tetzlaff: „Diese Frage kann man nicht pauschal beantworten, da das Verhalten jedes Kindes individuell zu betrachten ist. Es kann jedoch schon sein, dass bei manchen Menschen durch solche Handlungen, wie das Quälen eines Tieres, die Hemmschwelle sinkt und sich dadurch das Gewaltpotenzial auch weiter ausbreiten kann. Es gibt aber auch Menschen, die solch eine Handlung ganz klar von weiteren Gewalttaten abgrenzen können.“

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