Hilfe bei Selbstverletzungsdrang und Suizidgedanken

Bei Selbstverletzungsdrang und Suizidgedanken ist schnelle Hilfe nötig! Sind Sie selbst betroffen oder kennen eine Person die Hilfe braucht? Alle Infos zu Sofortmaßnahmen, zur persönlichen Beratung und Selbsthilfegruppen finden Sie hier.

Hilfe bei Selbstverletzungsdrang und Suizidgedanken (Foto: SAT.1 NRW)

 Bild: SAT.1 NRW,

Damit den Menschen mit Selbstverletzungsdrang und Suizidgedanken langfristig geholfen werden kann, sollten sich diese so schnell wie möglich in professionelle Behandlung begeben. In manchen (akuten) Situationen benötigt man jedoch eine schnelle Hilfe. Dafür können diese sogenannten Skills kurzfristig für Besserung sorgen.

Sofortmaßnahmen beim Selbstverletzungsdrang

Viele Menschen, besonders Jugendliche und junge Erwachsene, verletzen sich selbst. Das geschieht weniger, um Aufmerksamkeit zu suchen, als seelische Schmerzen mit Hilfe von körperlichen Schmerzen zu überdecken. Eine häufige Form des Verletzens ist das „Ritzen“ der Arme, Beine oder anderer Körperregionen. Bei der Selbstverletzung werden sogenannte Endorphine, also Glückshormone, ausgeschüttet. Das Schmerzempfinden wird gemildert und ein Gefühl der Erleichterung entsteht. Aus diesem Grund kann selbstverletzendes Verhalten genauso abhängig machen wie Drogen.

Zunächst gilt, dass man alle Gegenstände entsorgen sollte, mit denen man sich selbst verletzt oder sie zumindest unzugänglich aufbewahren sollte. Man kann sich auch einen Notfallkoffer für den Selbstverletzungsdrang packen. Dort kann man alles hinein tun, was einem hilft, dem Drang nicht nachzugeben. Im akuten Fall, wenn man den Drang verspürt, sich selbst zu verletzen, kann man den Koffer / die Kiste / die Tasche dann hervorholen. Das kann auch ein selbst bemalter Karton sein.

All die Dinge, die einem helfen, den Drang zu mildern oder ganz loszuwerden, kann man auch auf kleine Papierschnipsel schreiben und ebenfalls in deinen “Notfallkoffer” tun. Jedes Mal, wenn man den Drang spürt, sich zu verletzen, greift man in die Kiste und zieht einen Schnipsel heraus. Anschließend wendet man dann den gezogenen Skill an.

Hier finden Sie einige Skills, mit denen man den Drang für eine gewisse Zeit mildern kann:

  • in eine Chilischote beißen oder etwas Scharfes (Tabaso, Wasabi, scharfen Senf) essen
  • scharfen Kaugummi kauen / Zimtkaugummi kauen
  • extra scharfe Hustenbonbons lutschen
  • Eiswürfel im Mund zergehen lassen
  • Eiswürfel in der Hand halten
  • eine Kältekompresse oder einen Eiswürfel auf den Arm drücken, bis es schmerzt (nicht durchgehend, bitte mehrminütige Pausen einlegen! – es kannst sonst zu Erfrierungen kommen)
  • Kirschkernkissen aufwärmen und auf die Haut legen
  • Wärmesalbe oder -creme auf die Haut auftragen
  • Mundwasser lange im Mund behalten
  • Brausetabletten auf der Zunge zergehen lassen
  • Beim Gehen Kieselsteine in den Schuh legen
  • kalt duschen
  • an etwas riechen, das man absolut nicht mag
  • an Duftöl oder Parfum riechen
  • mit einer Wäscheklammer in die Haut zwicken
  • mit einer ausgeklappten Büroklammer die Haut pieksen
  • ein Gummiband um das Handgelenk wickeln und leicht fletschen lassen
  • Namen der Familie, Freunde oder geliebten Personen/ Tieren auf die Arme schreiben*
  • Schmetterlinge oder Lieblingstier auf die Haut malen*
  • rote Striche auf die Haut malen/ Haut bunt anmalen*
  • Igelball auf der Haut rollen
  • einen Stressball oder Knetgummi kneten
  • mit einer Feder die Haut kitzeln
  • Haut / alte Narben eincremen
  • Haut massieren

*Das Anmalen oder Beschriften der Arme dient letztlich dazu, das Verletzen der Arme oder der betroffenen Regionen zu unterbinden, indem das Gemalte oder die Namen nicht beschädigt/ verletzt werden dürfen.

Sofortmaßnahmen bei Suizidgedanken

Jeder erreicht einmal diesen Punkt im Leben, wo nichts mehr in Ordnung zu sein scheint. Der Alltag ist geprägt von Hilflosigkeit und Überforderung. Aus Verzweiflung denken viele Menschen in solchen Situationen daran, sich etwas anzutun. Suizidgedanken oder sogar Suizidversuche sind dabei keine Seltenheit mehr.
Wichtig ist zunächst einmal, dass man versucht, sich von Dingen fernzuhalten, die dieses Verhalten bei einem „triggern“ (auslösen) oder verstärken können.

Wer beispielsweise zutiefst traurig, depressiv oder aggressiv ist, kann sich aber auch selbst wieder aus solchen Stimmungslagen herausholen. Das Wichtigste in diesen Momenten ist Ablenkung. Wie auch beim Selbstverletzungsdrang können Skills Abhilfe schaffen. Sie lenken zeitweilig ab und heben oder neutralisieren die Stimmung. Wenn der Drang in einem zu groß wird und man Angst hat, diesem nicht mehr Stand halten zu können, sollte man versuchen, sich ganz schnell auf eine andere Art einen Ausgleich zu schaffen. Sollte das nicht ausreichen, kann man selbst bei akuter Suizidgefahr den Notarzt unter der Telefonnummer 112 rufen, er holt einen ab und begleitet einen in die Klinik, wo man weitere Hilfe durch Therapeuten und Ärzte erhält.

Hier finden Sie einige skills, mit denen man sich von Suizidgedanken ablenken kann:

  • laut Musik hören
  • kalt duschen
  • Gesicht kalt nassmachen
  • Wutbrief schreiben und zerreißen / verbrennen
  • ins Kissen schreien
  • spazieren gehen
  • joggen (und den Gedanken so davonrennen)
  • Seil springen
  • Liegestützen / Sit-Ups machen
  • Kissen / Bettdecke kräftig schütteln
  • Gedanken aufschreiben
  • Gedichte / Texte schreiben
  • zeichnen, malen, basteln
  • ins Kissen boxen
  • ein gutes Buch lesen
  • in guten Zeiten kannst du dir überlegen und aufschreiben, warum sich das Leben für dich lohnt und was du bisher schon Schönes erlebt hast (das können auch nur Kleinigkeiten sein) – diesen Zettel kannst du immer wieder hervorholen und nachlesen


Wichtiger Hinweis:
 Dieser Inhalt wurde bereitgestellt von dem Sorgen-Tagebuch e.V.. Auf der Website www.sorgen-tagebuch.de finden Sie weitere hilfreiche Informationen. So können Betroffene anonym ihre Sorgen, Ängste & Probleme auf der Website in ihr eigenes Sorgen-Tagebuch schreiben – und es antwortet.

Notfalltelefone

Es gibt eine Vielzahl von kirchlichen, staatlichen oder privat geförderten Hilfe-Hotlines, unter denen Hilfesuchende die Möglichkeit bekommen, unter dem Schutz der Anonymität, mit besonders geschulten Beratern über ihre Sorgen, Ängste und Probleme zu sprechen.

  • Nummer gegen Kummer für Eltern: 0800 111 0 550
    (montags bis freitags von 9 bis 11 Uhr, dienstags und donnerstags von 17 bis 19 Uhr)
  • Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: 116 111
    (montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr)
  • Telefon Seelsorge:
    0800 111 0 111(evangelisch)
    0800 111 0 222 (katholisch)
    116 123 (Lebenshilfe)

Persönliche Beratung

Auch wenn die oben genannten Maßnahmen bei akuter Hilfe kurzfristig zu einer Verbesserung des Zustands führen können ist es wichtig dauerhaft einen Ansprechpartner zu haben und das Problem behandeln zu lassen. Dafür ist eine persönliche Beratung hilfreich, die einem Auskünfte geben kann wo man den richtigen Ansprechpartner findet.
Dafür bietet die Caritas ein Angebot. Denn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bieten vor Ort persönliche Hilfestellung. Kommen Sie hier zu der Internetseite der Caritas und finden Sie eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe.

Selbsthilfegruppen in NRW

Auch Selbsthilfegruppen bieten ein hilfreiches Angebot für Betroffene. Denn dort können Sie sich mit Menschen austauschen die gleiches erlebt haben und sich gegenseitig helfen. Hier finden Sie eine Liste von Selbsthilfegruppen in NRW.

Zuletzt aktualisiert am . | Beitrag erstellt von  | Bild-Quellen: SAT.1 NRW,

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