Vielen Libanesischen Frauen reicht es

Essener Libanesinnen wollen ein Ende von Gewalt zwischen Familienclans

Weil sie genug von der Gewalt zwischen Familienclans haben, haben Libanesinnen aus Essen einen offenen Brief geschrieben. 15 Frauen haben ihn unterschrieben.

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Vielen Libanesischen Frauen reicht es (Foto: SAT.1 NRW)

Zwei der Frauen, die den Brief unterschrieben haben.Bild: SAT.1 NRW,

Ständig gibt es in Essen Streit zwischen libanesischen Familienclans – oft enden diese blutig oder sogar tödlich. Das wollen Libanesinnen aus Essen nicht länger mit ansehen und melden sich jetzt zu Wort. Die Leiterinnen der libanesisch/arabischen Frauengruppe haben deshalb einen offenen Brief geschrieben, adressiert an die Essenerinnen und Essener.

Gegen Gewalt

Der Anlass für den Brief ist eine blutige Auseinandersetzung zwischen zwei Familienclans im April diesen Jahres. Die Frauen machen in ihrem Brief deutlich: So eine Gewalt wollen sie nicht länger dulden. Sie wollen sich außerdem von solchen Taten distanzieren und wollen die Hoffnung nicht aufgeben, dass es nicht mehr zu solchen Vorfällen kommt.

Frauen sehen sich in der Verantwortung

Die Frauen, die ihre Unterschrift unter den Brief gesetzt haben, sind teilweise schon eingebürgert und lange in Deutschland. Aber es sind auch Frauen dabei, die erst vor kurzem hier her geflüchtet und nur geduldet sind. Aber eins sind sie alle, so schreiben die Frauen in dem Brief, nämlich verantwortungsvoll und engagiert. Und deshalb wollen sie ihren Kindern vermitteln, dass sie die rechtsstaatlichen Strukturen Deutschlands anerkennen. Sie wollen, dass ihre Kinder mit den Gütern eines Rechtsstaats aufwachsen – Demokratie, Gleichberechtigung und Freiheit.

Hier der Brief in original Wortlaut in voller Länge:

Liebe Essenerinnen und Essener,

die Ereignisse von Samstag, dem 09.04.2016, durch Mitglieder libanesischer Familien unserer Stadt, haben uns alle erschüttert. Unser ganzes Mitgefühl gilt dem jungen Mannes, der aus niederen Beweggründen brutal niedergeschossen wurde, seinen Eltern, die verzweifelt um das Leben ihres Kindes bangen, den Familienangehörigen, die sich fragen, wie es weitergehen soll. Wir denken an die Mitglieder der Familie des Täters, die seine Tat verurteilen, die sich dafür schämen, die hilflos sind, weil auch sie nicht wissen, wie es weitergehen soll.

Wir distanzieren uns aufs Äußerste von der Tat, wir verurteilen sie, sie ist abgrundtief verachtenswert.

Doch wir wollen die Hoffnung, dass solche Konflikte und Vorfälle nicht mehr passieren, nicht aufgeben. Unseren Teil der Verantwortung daran sehen wir in der Erziehung unserer Kinder. Die Kinder sind unsere Zukunft. Wir werden unseren Kindern vermitteln, dass Sicherheit nur durch Anerkennung rechtsstaatlicher Strukturen bestehen kann. Wir wollen und werden unseren Kindern nahe bringen, welch hohe Güter Freiheit, Demokratie und Gleichberechtigung sind.

Wir sind Frauen und Mütter aus libanesischen Frauengruppen, Frauen und Mütter mit und ohne Zuwanderungsgeschichten, wir sind geduldete und eingebürgerte Frauen und Mütter, wir sind Frauen und Mütter, die schon lange Zeit in Deutschland leben, wir sind Frauen und Mütter, die erst vor kurzem in dieses Land geflüchtet sind, wir sind verantwortungsvolle und engagierte Frauen und Mütter, die diese Stadt mitgestalten wollen.

Im Namen aller dieser Frauen!

Lina Khodur und Zahra Kharrubie

Leiterinnen der libanesisch/arabischen Frauengruppen

Zuletzt aktualisiert am . | Beitrag erstellt von  | Bild-Quellen: SAT.1 NRW,

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