Sexualstrafrecht soll verschärft werden

Jetzt soll schon ein „nein“ oder Kopfschütteln reichen

In Zukunft soll es bereits strafbar sein, wenn ein Täter sexuelle Handlungen am Opfer gegen dessen „erkennbaren Willen“ ausübt. Bisher war vor Gericht erforderlich, dass der Täter das Opfer entweder mit Gewalt oder mit Gewaltandrohungen dazu brachte, sexuelle Handlungen zu ertragen.

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Sexualstrafrecht soll verschärft werden (Foto: SAT.1 NRW)

 Bild: SAT.1 NRW,

Ist die Verschärfung längst überfällig oder bringt es den Frauen am Ende doch eher wenig?

Mit Verschärfung des Gesetzes soll es in Zukunft schon ausreichen, wenn der Wille des Opfers erkennbar ist. Also, schon ein "nein" reicht.

Heute stehen in Köln die ersten beiden Tatverdächtigen aus der Kölner Silvesternacht wegen sexueller Nötigung vor Gericht. Der Algerier und Iraker sollen mit den Opfern zunächst Fotos gemacht haben, dann sollen 10 bis 15 weitere Männer dazu gekommen sein. Die Frauen seien von den Männern getrennt worden. Dem einen Opfer soll von einem Mann aus der Gruppe an den Po und in den Intimbereich gegriffen worden sein. Einer der Täter soll das andere Opfer geküsst und ihr durch das Gesicht geleckt haben. Jemand aus der Gruppe von Männern soll außerdem versucht haben, ihr in die Handtasche zu greifen. Die Anklage lautet deshalb nicht nur sexuelle Nötigung, sondern auch versuchter Raub.

Was soll sich ändern?

Während im Amtsgericht die Verhandlungen gegen die 21- und 26-Jährigen beginnen, entscheidet in Berlin der Bundestag über die Verschärfungen des bestehenden Sexualstrafrechts. Zukünftig soll es den Frauen leichter gemacht werden. Bisher war es nämlich so, dass für die sexuelle Nötigung oder auch Vergewaltigung erforderlich war, dass vom Täter Gewalt oder schwere Drohungen ausgehen mussten, um sexuelle Handlungen zu dulden. Mit Verschärfung des Gesetzes soll es aber in Zukunft schon ausreichen, wenn der Wille des Opfers erkennbar ist. Das heißt, dass auch schon ein „nein“ oder Kopfschütteln reicht.

Was bringt das?

Zum einen soll es den Frauen durch diese Neuerungen einfacher Fallen, sexuelle Nötigung oder Vergewaltigung anzuzeigen und sich an die Polizei zu wenden. Zum anderen können so vor Gericht vielleicht Zeugen hinzugezogen werden, die das „nein“ oder andere Wehrlaute eines Opfers wahrgenommen haben. Bisher konnte damit nicht viel erreicht werden – jetzt schon.

Zu spät?

Im Falle der Kölner Silvester-Grapscher kommt die Gesetzverschärfung aber leider zu spät. Für sie wird weiterhin die alte, schlaffere Gesetzgebung gelten.

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Dieser Beitrag ist in der Sendung vom 07.07.2016 erschienen. Das zugehörige Video ist am Tag der Sendung ab ca. 19:00 verfügbar.

Zuletzt aktualisiert am . | Beitrag erstellt von  | Bild-Quellen: SAT.1 NRW,

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