Schnelles Internet nur noch für Reiche?

Zwei-Klassen-Netz: Telekom plant Internet-Maut

EU-Entscheid zur Netzneutralität: Telekom nutzt Chance auf Gewinne – schnelles Internet soll künftig teurer werden.

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Schnelles Internet nur noch für Reiche? (Foto: Oliver Berg / dpa)

Das Logo der Deutschen Telekom AG. Bild: Oliver Berg / dpa,

Würdet ihr für schnelleres Internet mehr zahlen?

Nach dem EU-Entscheid zur Netzneutralität plant die Deutsche Telekom AG eine Maut für das Internet. Schnelles Internet soll teurer werden.

Kaum hat das Europaparlament die Netzneutralität eingeschränkt, nutzt die Telekom die Chance auf Profite: Anbieter, die eine besonders gute Übertragungsqualität wünschen, sollen künftig zahlen.

Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom AG mit Sitz in Bonn, hat in einer Stellungnahme auf der Webseite des Unternehmens die Entscheidung der Europäischen Union zur Netzneutralität kommentiert. Mit dieser kündigt er die Einführung kostenpflichtiger Überholspuren im Internet an. Dienstanbieter sollen gegen eine Zahlung „einer Umsatzbeteiligung von ein paar Prozent“ eine garantiert „gute Übertragungsqualität“ erhalten. Diese Kosten könnten auch schnell auf die Verbraucher zurückfallen, wenn sie mehr Service wollen und diesen dann höher bezahlen müssten.

Mit seinen Äußerungen auf der Homepage sorgt Höttges für Aufsehen, da sie auf die strittigen Punkte der neuen Internet-Regeln der EU zielen. Erst am Dienstag hat das EU-Parlament nach lauten Protesten eine Verordnung beschlossen, in der die Regeln zur Netzneutralität definiert wurden. In der Verordnung sehen Kritiker allerdings eine Umkehrung vom Grundprinzip des Internets, nach dem alle Daten eigentlich gleichberechtigt und gleich schnell durch die Leitungen fließen sollen.

Höttges argumentiert, dass das Internet immer wieder neue Dienste hervorbringe, an die zuvor noch niemand gedacht habe. Seine Beispiele: Videokonferenzen, Online-Gaming, Telemedizin, automatisierte Verkehrssteuerung und selbststeuernde Autos und vernetzte Produktionsprozesse in der Industrie. „Gemeinsam haben diese Dienste, dass sie andere, teilweise höhere Qualitätsanforderungen haben als das einfache Surfen oder die E-Mail, die auch ein paar Millisekunden später ankommen kann. Eine Videokonferenz sollte beispielsweise auch zu Stoßzeiten im Netz nicht ins Stocken geraten. Deshalb muss die Möglichkeit bestehen, dass die Daten empfindlicher Dienste im Stau Vorfahrt bekommen.“

Weiter meint er, dass Qualitätsdifferenzierung im Netz heute längst gelernte Praxis sei. Nutzer könnten selbst entscheiden, wie viel Service sie wollen, und was ihnen dieser Service wert ist: Demnach kostet beispielsweise mehr Speicherplatz für Mails extra, genauso wie erweiterte Suchfunktionen bei Xing und LinkedIn oder Videos in HD statt in SD. So soll es laut Höttges eben auch in Zukunft die Möglichkeit geben, einen Dienst für ein paar Euro mehr in gesicherter Qualität zu buchen. „Qualitätsdifferenzierung ist keineswegs eine Revolution im Netz, sondern die natürliche Weiterentwicklung.“

Telekom-Chef Höttges präsentiert außerdem ein Geschäftsmodell: „Gerade Start-ups brauchen Spezialdienste, um mit den großen Internetanbietern überhaupt mithalten zu können“, schreibt er. „Nach unseren Vorstellungen bezahlen sie dafür im Rahmen einer Umsatzbeteiligung von ein paar Prozent. Das wäre ein fairer Beitrag für die Nutzung der Infrastruktur.“

Oder anders ausgedrückt: Die Telekom will eine Maut für eine Internet-Überholspur verlangen.

Zuletzt aktualisiert am . | Beitrag erstellt von  | Bild-Quellen: Oliver Berg / dpa,

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