Nacht- und Nebel-Aktion in Remscheid

150 Flüchtlinge wurden nachts aus ihrem Heim verfrachtet

Die Ansage kam rasant: Remscheider Flüchtlinge sollten schnell in andere Unterkünfte verteilt werden. Für alle viel zu wenig Zeit, um zu reagieren.

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Nacht- und Nebel-Aktion in Remscheid (Foto: reuters)

 Bild: reuters,

Die Stadt Remscheid fühlt sich von der Bezirksregierung überrumpelt. Mitten in der Nacht mussten die Flüchtlinge in der Notunterkunft an der Lenneper Straße alles stehen und liegen lassen. Ein Mann berichtet gegenüber der „Rheinischen Post“, dass er noch nicht mal seine wenigen Sachen einpacken konnte, die er besitze. Der Rest soll wohl später nachgeschickt werden.

Was war passiert? Am Abend sollten neue Flüchtlinge eintreffen und in dem ehemaligen Schulgebäude untergebracht werden. Dafür mussten andere Flüchtlinge schnell in weitere Erstaufnahmeeinrichtungen versetzt werden – das war die Ansage der Bezirksregierung. Kurzerhand sind die Menschen in Busse verfrachtet und auf vier andere Gemeinden in NRW verteilt worden, unter anderem auch in Paderborn.

Remscheids Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz hat noch versucht, etwas mehr Zeit herauszuholen. Schließlich hatten die vielen Helfer kaum Zeit, die Zimmer herzurichten oder die Betten neu zu beziehen. Allerdings war es schon zu spät. Die neuen Flüchtlinge seien schon auf der Autobahn Richtung Remscheid, hieß es. „Das ist menschlich eine Katastrophe. Dieses unglaubliche Vorgehen hat nichts mehr von würdevollem Umgang mit Flüchtlingen.“

Über den würdevollen Umgang mit Flüchtlinge geht es heute auch bei zwei Treffen von EU-Vertretern: In Brüssel treffen sich heute die EU-Außenminister, um unter anderem über die dramatische Situation der Flüchtlinge zu beraten. Schwerpunkt der zweitägigen Gespräche soll die Situation in den Herkunfts- und Transitstaaten sein. Deutschland und Frankreich starteten kurz vor dem Treffen eine gemeinsame Initiative für verbindliche Aufnahmequoten in der EU. Seit Monaten streitet man über dieses Thema. Bisher war selbst eine freiwillige Verteilungsquote, wie sie im Mai von der EU beschlossen worden war, am Widerstand vor allem osteuropäischer Länder gescheitert. In Prag wollen heute die Regierungschefs von Polen, Tschechien, der Slowakei und Ungarn ihre Flüchtlingspolitik abstimmen. Ungarns Regierungschef Victor Orban sagte gestern, die Flüchtlingskrise sei ein „rein deutsches Problem.“ (dpa)

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