Kein Einlass für Gepiercte

Schüler-Tagung nur ohne Körperschmuck und bunte Haare

Eine Forschergruppe lädt Schüler zu einem Kongress ein. Aber: Es dürfen nur Schüler ohne Tattoo und Piercing kommen. Schulleiter finden das diskriminierend.

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Kein Einlass für Gepiercte (Foto: SAT.1 NRW)

 Bild: SAT.1 NRW,

Die Ansage ist klar: „Wir richten uns nicht an Menschen mit bunten Haaren, Blech im Gesicht und jene, die die Füße nicht heben und die Hose kaum auf den Hüften halten können und/oder eines ordentlichen Sprachgebrauches kaum mächtig sind. Kein Einlass für Vermummte – im Rathaus und im ZTC keine Mütze, keine Kapuzen und auch keinen Helm auf dem Kopf.“

Diese Zeilen stehen in der Einladung der Zoz-Gruppe aus Olpe, die sich an 44 Schulen im Kreis Siegen-Wittgenstein richtet – und sorgen bei den Schulen für einen Aufschrei. Denn eigentlich wollte die Forschergruppe die Schüler zu einer Fachtagung einladen. Talentierte Nachwuchs-Wissenschaftler sollten kommen, um bei einem deutsch-japanischen Symposium zum Thema Nanotechnologie teilzunehmen. Doch die eigentlich freundliche Einladung geht nach hinten los.

„Diese Formulierungen grenzt an Diskriminierung“, sagt Klaus Kettelhoit, stellvertretender Schulleiter des Gymnasiums Netphen, gegenüber der WAZ. „Vom Bauchgefühl her würde ich eine solche Einladung ablehnen“, so Kettelhoit. „Toleranz ist etwas, was wir uns mit Stolz auf die Fahnen schreiben. Auch am Fürst-Johann-Moritz-Gymnasium in Bad Berleburg staunt man über die Formulierung: „So etwas passt keineswegs in die gegenwärtige Zeit und in die ohnehin starke Verunsicherung der jungen Menschen“, sagt Schulleiter Rüdiger Käuser. Auch an seiner Schule gäbe es viele junge Menschen, die „nicht gut Deutsch sprechen, aber hochbegabte Schüler sind“.

Bei der Zoz-Group, die die Einladung verschickt hatte, zeigt man sich inzwischen nachdenklich: „Als ich die Einladung weggeschickt hatte, wusste ich, dass ich es besser hätte bleiben lassen sollen“, sagt Professor Henning Zoz, Geschäftsführer des Unternehmens. Er erklärt, dass man den Anschluss an die jungen Menschen nicht verlieren wolle. Bislang hat sich nur ein Gymnasium für das Symposium angemeldet. Für den Veranstalter sei diese Resonanz „sehr schade, weil viele internationale Gäste vertreten sein werden“, meint Zoz.

Zuletzt aktualisiert am . | Beitrag erstellt von  | Bild-Quellen: SAT.1 NRW,

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