Kein Schnee schippen für Flüchtlinge!

Das sei Sache des Vermieters, so die Stadt Hagen

Umstrittener Leitfaden zur Unterbringung von Flüchtlingen der Stadt Hagen verärgert Vermieter. Die Gesetzeslage ist schuld daran.

 Ein echter Aufreger! Mehr dazu: 17:30 SAT.1 NRW.
Kein Schnee schippen für Flüchtlinge! (Foto: Tobias Hase / dpa)

Heute vor zehn Jahren versanken Teile NRWs im Schneechaos.Bild: Tobias Hase / dpa,

Was für ein Irrsinn in Hagen! „Treppenhausreinigung und Schnee schnippen sind Sache des Vermieters“, heißt es in einem Leitfaden der Stadt Hagen zur Unterbringung von Flüchtlingen. Mit diesem ausführlichen Leitfaden hat jetzt die Stadt Hagen den Zorn der Haus- und Wohnungsvermieter auf sich gezogen. Damit setzt sie genaue Vorgaben zur Vermietung von Wohnraum auf. Ein Beispiel: Flüchtlinge dürfen weder das Treppenhaus putzen, noch Schnee schippen.

Die Immobilienbesitzer aus Hagen sind erstaunt und verärgert. Sie können nicht verstehen, wieso sie in Deutschland Flure putzen müssen, die Flüchtlinge aber genau das nicht dürfen. Hagener Vermieter haben ihre Wohnungen der Stadt für die Unterbringung von Flüchtlingen angeboten, aber die Sachbearbeiter speisten sie damit ab, dass man möblierte Wohnungn nicht brauche. Sie bekamen das Merkblatt mit den Grundanforderungen an geeignete Wohnungen zugesandt.

Neben der Regelung von Treppenhausreinigung und Winterdienst, sind die meisten Vorschriften dem Brandschutz geschuldet. So müssen die Wohnungen nicht nur einen zweiten Fluchtweg haben, sondern auch die Fenster müssen 90 mal 120 cm groß sein. Zudem müssen in allem Räumen Rauchmelder installiert und in den Wohnungen dürfen keine Holztreppen vorhanden sein. Grund hierfür ist die aktuelle Gesetzeslage: Sollte tatsächlich einmal etwas passieren, weil ein Flüchtling aus welchem Grund auch immer nicht seiner Verpflichtung nachkomme, zum Beispiel Schnee zu schippen und es geschehe ein Unfall , dann sei die Stadt haftbar und die Flüchtlings-Koordinatoren würden zur Verantwortung gezogen.

Deswegen können für Flüchtlingen nur Wohnungen angemietet werden, die dem Leitfaden voll und ganz entsprechen. Rund 1300 Flüchtlinge leben im Moment in der Obhut der Stadt Hagen und rund weitere 1200 in den Notunterkünften des Landes. Wo sollen sie leben? Wird von der Stadt bald die nächste Turnhalle als Flüchtlingsunterkunft umgebaut?

Zuletzt aktualisiert am . | Beitrag erstellt von  | Bild-Quellen: Tobias Hase / dpa,

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