Ausbruch durch Nachlässigkeit

Bericht: Detlef W. konnte im April ohne fremde Hilfe fliehen

Der verurteilte Mörder verließ das Gefängnis in einer Box – wie das passieren konnte, wurde nun detailliert untersucht.

 Weitere Informationen heute um 17:30 in SAT.1 NRW.
Ausbruch durch Nachlässigkeit (Foto: SAT.1 NRW)

 Bild: SAT.1 NRW,

Eigentlich ist Detlef W. wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Doch am 28. April verließ er das Gefängnis in Rheinbach. In einer Gitterbox. Erst nach zwei Tagen konnte er nach europaweiter Fahndung wieder gefasst werden. Doch wie konnte es passieren, dass ein verurteilter Mörder einfach so aus dem Gefängnis fliehen kann? NRW-Justizminister Thomas Kutschaty hat hierzu nun einen Bericht an den Rechtsausschuss des Landtags weitergeleitet. Das Ergebnis: W. hatte keine Helfer – er profitierte einfach von den Flüchtigkeitsfehlern der JVA-Mitarbeiter.

Am 28. April werden gegen 09.30 Uhr gefüllte Gitterboxen mit einem Gabelstapler auf einen Anhänger gehoben. Detlef W. arbeitet in der JVA-Schreinerei und befüllte diese Boxen mit Holzabfällen. In einer dieser Kisten, die von außen nicht einsehbar ist, versteckt sich W. Sein Glück: Das anstaltseigene Fahrzeug wird nicht durch einen Pförtner kontrolliert, da der Fahrer ebenfalls ein JVA-Mitarbeiter ist. Stattdessen checkte der Traktorfahrer den Hänger. Er durchsuchte diesen, konnte aber in einige verschlossene Boxen nicht hineinschauen. Anschließend schaute er unter dem Anhänger nach, ein Herzschlagdetektor wurde nicht eingesetzt, weil dieser nur für Fahrzeuge genutzt wird, die nicht zur Anstalt gehören.

Eine Viertelstunde später, gegen 09.45 Uhr, verlässt das Fahrzeug die JVA und fährt zum Betrieb, der die Holzabfälle verarbeitet. In der JVA fällt unterdessen das Fehlen eines Häftlings auf – eigentlich nichts Ungewöhnliches, da die Gefangenen gelegentlich zur Toilette gehen, Material besorgen oder Aufträge absprechen müssen. Erst gegen 11 Uhr beginnt die Suche nach dem Verschwundenen in den Hallen und in der Schreinerei. Ohne Erfolg.

Der LKW-Fahrer ist in der Zwischenzeit wieder in der JVA angekommen. Ihm ist beim Abladen der Boxen aufgefallen, dass eine Box nur halb gefüllt ist, allerdings fand er dies nicht weiter bedenkenswert. Um 11.40 Uhr meldet die JVA das Fehlen eines Häftlings der Polizei. „Es ist davon auszugehen, dass der Gefangene sich in der Gitterbox neben seinem Arbeitsplatz versteckt hat, die dann aus der Anstalt transportiert wurde“, schreibt der Minister. „Wir haben keine Hinweise auf fremde Hilfe, der Anfangsverdacht hat sich nicht erhärtet“, sagte Staatsanwältin Monika Volkhausen dazu dem „Kölner Stadt-Anzeiger.

Laut Bericht wird vor allem der fehlende Einsatz des Herzschlagdetektors bemängelt. Außerdem ist wohl vor Abfahrt des LKW nicht überprüft worden, ob alle Gefangenen anwesend sind. Genau diese Missstände haben nun Folgen: Der Herzschlagdetektor wird nun immer eingesetzt, die Gefangenen dürfen sich außerhalb des Betriebs nicht mehr so frei bewegen, außerdem werden ausfahrende Fahrzeuge durch die JVA-Pförtner gecheckt.

Detlef W. ist am Mord an der Ärztin Jutta H. Verurteilt. Er arbeitete bei ihr als Gärtner, beklaute die Millionärin tötete sie im August 2007.

Zuletzt aktualisiert am . | Beitrag erstellt von  | Bild-Quellen: SAT.1 NRW,

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