Polizeibericht offenbart „Spießrutenlauf“

Frauen haben in Köln Schutz bei Polizisten gesucht.

Die Suche nach den Tätern geht weiter. Inzwischen werden Forderungen nach mehr Polizisten und Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen laut.

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Polizeibericht offenbart „Spießrutenlauf“ (Foto: SAT.1 NRW)

 Bild: SAT.1 NRW,

Würdet ihr für mehr Sicherheit eure Freiheiten opfern?

Politiker fordern mehr Polizei und verstärkte Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen. Kritiker befürchten einen "Polizeistaat".

Während der Ausschreitungen in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof haben laut einem internen Bericht eines Beamten Frauen Schutz bei der Polizei gesucht. «Im Einsatzverlauf erschienen zahlreiche weinende und schockierte Frauen/Mädchen bei den eingesetzten Beamten und schilderte sex. Übergriffe durch mehrere männliche Migranten/ -gruppen», schreibt der Leiter einer an dem Einsatz beteiligten Hundertschaft in einem von der «Bild»-Zeitung veröffentlichten internen Erfahrungsbericht.

«Frauen mit Begleitung oder ohne durchliefen einen im wahrsten Sinne „Spießrutenlauf“ durch die stark alkoholisierten Männermassen», heißt es in den Bericht weiter. Da die Polizisten «nicht jedem Opfer einer Straftat helfen und den Täter dingfest machen konnten, kamen die eingesetzten Beamten an die Grenze zur Frustration». Der Polizist beklagt in dem Bericht eine viel zu geringe Zahl eingesetzter Beamter. Alle eingesetzten Polizisten seien «ziemlich schnell an die Leistungsgrenze gekommen». Die Kölner Polizei wollte sich zunächst nicht zu dem Bericht äußern.

Inzwischen ruft die Polizei Zeugen und Geschädigte auf, sich zu melden. Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministers Ralf Jäger (SPD) sind bislang drei Tatverdächtige identifiziert, die direkt etwas mit den Übergriffen zu tun haben sollen. Der Kölner Polizeipräsident spricht mittlerweile von 16 Verdächtigen.

Zuvor hatte die Kölner Polizei darauf hingewiesen, dass sie insgesamt mehrere mutmaßliche Taschendiebe dahingehend überprüfe, ob sie ebenfalls an den Übergriffen beteiligt waren. Festgenommen waren diese Verdächtigen jedoch völlig unabhängig von den Vorfällen vor dem Bahnhof. Möglicherweise geschädigte Frauen hätten sich entfernt und seien nun gebeten, sich zu melden.

Die Stadt Köln macht sich Sorgen wegen drohender Schäden für den Tourismus. «Das Image Kölns hat einen Knacks erlitten», sagte Köln-Tourismus-Geschäftsführer Josef Sommer dem «Kölner Stadt-Anzeiger» (Donnerstag). Wie die Zeitung berichtet, haben erste Touristen ihre Reise in die Domstadt storniert.

Kölns inzwischen umstrittener Polizeipräsident Wolfgang Albers wies Kritik an dem Einsatz seiner Beamten erneut zurück. «Aufgrund des großen Gedränges, der Dunkelheit und der Menschenmassen war ein Großteil der Vorfälle für die eingesetzten Beamten nicht erkennbar und trat erst am Folgetag durch die Vielzahl der Strafanzeigen in der nun bekannten Deutlichkeit zutage», erklärte er der «Kölnischen Rundschau». Er selbst habe «im Verlauf des Neujahrsmorgens» von den Vorgängen Kenntnis erhalten. Die erste Pressemitteilung der Polizei dazu gab es erst am Folgetag spät nachmittags.

CDU-Generalsekretär Peter Tauber fordert nach den Übergriffen auf Dutzende Frauen in Köln mehr Videoüberwachung und mehr Licht auf öffentlichen Plätzen von Großstädten. «Man muss Räume schaffen, in denen so etwas nicht geschieht, einfach weil es nicht im Dunkeln geschehen kann», sagte Tauber der Deutschen Presse-Agentur. Videoüberwachung diene der Ermittlung der Fakten und sei vielleicht auch ein geeignetes Argument zur Prävention. Um eine Wiederholung solcher Vorfälle zu vermeiden, brauche es zudem mehr Polizeipräsenz.

In Düsseldorf, wo seit Bekanntwerden der Kölner Vorfälle die Zahl ähnlicher Strafanzeigen von vier auf elf gestiegen ist, bekommt die Polizei auch Unterstützungsangebote, mit denen sie aber nicht anfangen kann. Eine Bürgerwehr organisiert sich gerade auf Facebook und plant, an Wochenenden und bei Großveranstaltungen wie Karneval „durch die Stadt zu ziehen“. Die Gruppe mit dem Namen „Düsseldorf passt auf“ will im Falle eines Falles Frauen in Not zur Seite springen Der Organisator sagt, die Gruppe sei weder politisch, noch gewalttätig – man wolle nur die Stadt „für unsere Damen sicherer“ machen. Schon nach einem Tag hatte die Gruppe mehr als 1.000 Mitglieder – der erste Rundgang soll schon am Samstag stattfinden.

Die Polizei hält dagegen nichts von Bürgerwehren. Für die öffentliche Sicherheit ist in Deutschland die Polizei zuständig“, sagte ein Sprecher des Düsseldorfer Präsidiums der „Rheinischen Post“. „Bewusst und gezielt sich auf die Suche nach Straftätern zu machen, ist nicht Sache des Bürgers.“ Gegen Zivilcourage habe die Polizei nichts einzuwenden, wohl aber gegen Bürgerwehren, die auf eigene Faust für Sicherheit sorgen wollen. (dpa)

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